Schwerpunktthemen

Die gesetzliche Verankerung des Diskriminierungsverbots und Gleichstellungsgebots von Frau und Mann bilden die Grundlage für die Tätigkeiten des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG. In seiner Legislaturplanung 2015-2019 sowie in der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016-2019 sieht der Bundesrat konkrete Massnahmen zur Förderung der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern vor. Die Gleichstellung von Frau und Mann und die Rechte der Frauen und Mädchen sind damit prioritäre Themen auf der innen- und aussenpolitischen Agenda der Schweiz der nächsten Jahre.

Die Aktivitäten des EBG zielen auf die Umsetzung der rechtlichen und der tatsächlichen Gleichstellung. Sie gliedern sich in die Fachbereiche Arbeit, Häusliche Gewalt und Recht. Das EBG fördert wo immer möglich Kooperationen mit anderen Bundesämtern, kantonalen Konferenzen, Fach- und Dachorganisationen, Berufsverbänden, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen und Nichtregierungsorganisationen.

Arbeit

Die Chancengleichheit im Erwerbsleben ist zentral für die Verwirklichung der Gleichstellung in allen Lebensbereichen. Die Lohngleichheit ist auch im Jahr 2018 ein Schwerpunktthema des EBG. Laut Bundesamt für Statistik BFS sind 2014 auf der Lohnabrechnung der Frauen bei gleichem Arbeitspensum im Durchschnitt jeden Monat 1412 Franken weniger als bei den Männern. 58% des Lohnunterschiedes basieren auf erklärten Gründen. 42% der Lohndifferenz können nicht mit objektiven Faktoren erklärt werden. Diese Ungerechtigkeit bekommt die ganze Gesellschaft zu spüren: Der Erwerbsausfall belastet das Haushaltsbudget und die persönliche Altersvorsorge von Frauen und ihren Familien.

Die Kontrolltätigkeit im öffentlichen Beschaffungswesen ist eine Kernaufgabe des EBG. Im 2018 werden neue Kontrollen in Unternehmen, welche Aufträge der öffentlichen Hand wahrnehmen, eingeleitet. Mit dem Selbsttestinstrument Logib können alle Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitenden ihre Lohnpraxis überprüfen. 2018 bietet das EBG Unternehmen und interessierten Personen wiederum Workshops zu Logib an. Ein vom EBG entwickeltes Selbsttestinstrument für Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden befindet sich in der Pilotphase.

Die öffentliche Hand hat in der Förderung der Lohngleichheit eine Vorbildfunktion. Die von Bundesrat Alain Berset 2016 lancierte Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor, wurde bereits von der Hälfte aller Kantone und allen grossen Städten unterzeichnet. Das EBG bietet Kantonen und Gemeinden hierbei Unterstützung an. Im Herbst 2018 organisiert das EBG im Auftrag des Eidgenössischen Departements des Innern EDI ein viertes Treffen zur Förderung der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor.

Das EBG vergibt ausserdem jedes Jahr auf der Basis des Gleichstellungsgesetzes Finanzhilfen. Ziel dieser Finanzhilfen ist die Förderung der tatsächlichen Gleichstellung im Erwerbsleben. Vor dem Hintergrund der Fachkräfteinitiative des Bundes werden folgende zwei Projekttypen schwerpunktmässig unterstützt: Einerseits Programme zur Förderung der Entwicklung und des Einsatzes von Dienstleistungen und Produkten für Unternehmen, insbesondere zur Verwirklichung der Lohngleichheit und zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Andererseits Programme zur Förderung der gleichwertigen Teilhabe von Frauen und Männern in Berufen und Branchen mit Fachkräftemangel.

Häusliche Gewalt

Gleichstellung ist nur in gewaltfreien Beziehungen denkbar. Häusliche Gewalt ist in der Schweiz ein verbreitetes Problem. Im Jahr 2017 wurden 17'024 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt polizeilich registriert. In den Jahren 2009 – 2016 kam es jährlich zu durchschnittlich 25 Todesopfern und zu 50 Opfern versuchter Tötungsdelikte im häuslichen Bereich. Die meisten Opfer von Tötungsdelikten sind Frauen, begangen werden die Taten überwiegend von Männern.

Das EBG konzentriert sich auf die Bekämpfung der Gewalt in Paarbeziehungen, die rund ¾ aller Fälle häuslicher Gewalt ausmachen. Die Kernaufgabe stellt die Information, Vernetzung und Koordination sowie die Umsetzung von Massnahmen im Bereich der Prävention und Bekämpfung von häuslicher Gewalt innerhalb der Bundesverwaltung und in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen dar.

Anfang April 2018 tritt das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) in der Schweiz in Kraft. Das EBG übernimmt die Rolle als nationale Koordinationsstelle für die Umsetzung dieser Konvention und erarbeitet dazu im laufenden Jahr in Absprache mit den Kantonen ein Umsetzungskonzept. Zudem wird im Rahmen einer breit zusammengesetzten Arbeitsgruppe des Bundes unter der Federführung des EBG eine Roadmap der laufenden Aufgaben und Massnahmen erstellt. Am 13. November 2018 führt das EBG eine nationale Konferenz zur Ratifikation und Umsetzung der Istanbul-Konvention in Bern durch.

Recht

Rechtlich gesehen ist die Gleichstellung heute in der Schweiz zum grössten Teil erreicht. In der Realität kommt es jedoch vor allem aufgrund anhaltender Geschlechterstereotypen im Bildungsbereich und in der Arbeitswelt sowie historisch überlieferter Rollenzuweisungen in Familie und Gesellschaft immer wieder zu Diskriminierungen. Gemäss einer letztjährigen Studie, die Aufschluss über die Wirkung des Gleichstellungsgesetzes in der juristischen Praxis gibt, sind Lohn, Schwangerschaft und Mutterschaft die am häufigsten geltend gemachten Diskriminierungsgründe vor Gericht.

Mit dem Ziel, die Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes zu fördern, informiert das EBG Organisationen, Fachkreise und eine breitere Öffentlichkeit über spezifische Aspekte des Gesetzes, so etwa über sexuelle Belästigung, und lässt juristische Fragestellungen zum Thema Lohngleichheit begutachten.

In Zusammenarbeit mit der Universität Luzern organisiert das EBG am 14 Juni 2018 eine juristische Fachtagung zum Thema Gleichstellungsrechtliche Fragen im Sozialversicherungsrecht. Im Nachgang der Tagung wird ein Tagungsband mit Beiträgen der Referierenden publiziert.

Des Weiteren begleitet das EBG die Revision des Gleichstellungsgesetzes. Diese sieht vor, Arbeitgebende mit mehr als 50 Mitarbeitenden zu einer regelmässigen Durchführung einer Analyse der Lohngleichheit sowie deren Kontrolle durch eine externe Stelle zu verpflichten.

Der Fachbereich Recht berät den Fachbereich Arbeit bei der Durchführung der Lohngleichheitskontrollen im öffentlichen Beschaffungswesen des Bundes sowie bei der Weiterentwicklung der Lohnkontrollinstrumente juristisch.

Das EBG vertritt die Schweiz in verschiedenen internationalen Gremien und nimmt eine führende Rolle bei der Erarbeitung der Staatenberichte der Schweiz zum UNO-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) ein. Darin werden die Fortschritte und Herausforderungen bei der Geschlechtergleichstellung erläutert. Die vom EBG erarbeitete Roadmap zur Umsetzung der CEDAW-Empfehlungen wird 2018 im Rahmen einer breit zusammengesetzten Arbeitsgruppe des Bundes weiterentwickelt. Gleichzeitig erstellt das EBG gemeinsam mit allen relevanten Akteuren auf Ebene Bund und Kantone einen CEDAW-Zwischenbericht (u.a. zu einer nationalen Gleichstellungsstrategie), der Ende Jahr publiziert wird.

Weiterführende Informationen

Kontakt

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG

Schwarztorstrasse 51

3003 Bern

T +41 58 462 68 43

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