Schwerpunktthemen

In seiner Legislaturplanung 2015-2019 sowie in der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016-2019 sieht der Bundesrat konkrete Massnahmen zur Förderung der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern vor. Die Gleichstellung von Frau und Mann und die Rechte der Frauen und Mädchen sind damit prioritäre Themen auf der innen- und aussenpolitischen Agenda der Schweiz. Das gesetzliche Diskriminierungsverbot und Gleichstellungsgebot bilden die Grundlage für die Tätigkeiten des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG.  

Die Aktivitäten des EBG zielen auf die Umsetzung der rechtlichen und der tatsächlichen Gleichstellung. Sie gliedern sich in die Fachbereiche «Recht», «Arbeit» und «Gewalt». Das EBG fördert wo immer möglich Kooperationen mit anderen Bundesämtern, kantonalen Konferenzen und Kommissionen, Fach- und Dachorganisationen, Berufsverbänden, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen und Nichtregierungsorganisationen.

Innerhalb des Eidgenössischen Departements des Innern EDI verfolgt ein vom EBG geführtes Pilotprojekt das Ziel, im Rahmen von Veranstaltungen bei den Referierenden eine ausgewogene Vertretung der Geschlechter zu erreichen.

 

Recht

Rechtlich gesehen ist die Gleichstellung heute in der Schweiz zum grössten Teil erreicht. In der Realität kommt es jedoch vor allem aufgrund anhaltender Geschlechterstereotypen im Bildungsbereich und in der Arbeitswelt sowie historisch überlieferter Rollenzuweisungen in Familie und Gesellschaft immer wieder zu Diskriminierungen. Gemäss einer Studie des EBG sind Lohn, Schwangerschaft und Mutterschaft die am häufigsten geltend gemachten Diskriminierungsgründe vor Gericht. Und ein Ende 2018 von der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten publiziertes nationales Barometer zeigt: Die grosse Mehrheit der Erwerbstätigen in der Schweiz hält die Gleichstellung von Mann und Frau für nicht erreicht.

Mit dem Ziel, die Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes zu fördern, informiert das EBG Organisationen, Fachkreise und eine breitere Öffentlichkeit über spezifische Aspekte des Gesetzes, so etwa über sexuelle Belästigung. Das EBG nimmt auf Einladung des Bundesgerichts Stellung zu Fällen, die gestützt auf das Gleichstellungsgesetz vor dem höchsten Schweizer Gericht hängig sind.

Die vom Parlament Ende 2018 beschlossene Revision des Gleichstellungsgesetzes verpflichtet Arbeitgebende mit mindestens 100 Mitarbeitenden zu einer regelmässigen Durchführung einer Lohngleichheitsanalyse sowie deren Überprüfung durch eine externe Stelle. Das EBG nimmt bei der Erarbeitung der Verordnung und deren Umsetzung eine führende Rolle ein.

In Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, der Organisation für die Frankophonie sowie der Universität Genf organisiert das EBG im Herbst 2019 ein Kolloquium zur Lancierung des französischsprachigen Kommentars zur UNO-Frauenrechtskonvention (CEDAW). Anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Beijing-Aktionsplattform, die 1995 an der vierten Weltfrauenkonferenz verabschiedet wurde, erarbeitet das EBG 2019 den nationalen Bericht der Schweiz zuhanden der UNO. Im Bericht werden die Fortschritte und Herausforderungen bei der Geschlechtergleichstellung aufgezeigt.

Das EBG vertritt die Schweiz in verschiedenen internationalen Gremien, so beispielsweise im Steuerungsausschuss der Equal Pay International Coalition oder der Gender Equality Commission des Europarats, und nimmt an der jährlich im März in New York stattfindenden Session der UN Commission on the Status of Women teil.

 

Arbeit

Die Chancengleichheit im Erwerbsleben ist zentral für die Verwirklichung der Gleichstellung in allen Lebensbereichen. Die Lohngleichheit ist auch im Jahr 2019 ein Schwerpunktthema des EBG. Laut Bundesamt für Statistik BFS sind 2016 auf der Lohnabrechnung der Frauen bei gleichem Arbeitspensum im Durchschnitt jeden Monat 1455 Franken weniger als bei den Männern. 56% des Lohnunterschiedes basieren auf erklärten Gründen. 44% der Lohndifferenz können nicht mit objektiven Faktoren erklärt werden. Diese Ungerechtigkeit bekommt die ganze Gesellschaft zu spüren: Der Erwerbsausfall belastet das Haushaltsbudget und die persönliche Altersvorsorge von Frauen und ihren Familien.

Die Kontrolltätigkeit im öffentlichen Beschaffungswesen ist eine Kernaufgabe des EBG. Im 2019 werden 30 neue Kontrollen in Unternehmen, welche Aufträge der öffentlichen Hand wahrnehmen, eingeleitet. Mit dem Selbsttestinstrument Logib können alle Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitenden ihre Lohnpraxis überprüfen. 2019 bietet das EBG Unternehmen und interessierten Personen wiederum Workshops zu Logib an. Ein vom EBG entwickeltes Selbsttestinstrument für Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden befindet sich in der Pilotphase. Die Resultate liegen im Verlaufe des Jahres vor.

Die öffentliche Hand hat in der Förderung der Lohngleichheit eine Vorbildfunktion. Die von Bundesrat Alain Berset 2016 lancierte Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor wurde bereits von der Mehrheit aller Kantone und allen grossen Städten unterzeichnet. Das EBG bietet Kantonen und Gemeinden hierbei Unterstützung an. Im Herbst 2019 organisiert das EBG im Auftrag des Eidgenössischen Departements des Innern EDI ein viertes Treffen zur Förderung der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor.

Das EBG vergibt ausserdem jedes Jahr auf der Basis des Gleichstellungsgesetzes Finanzhilfen. Ziel dieser Finanzhilfen ist die Förderung der tatsächlichen Gleichstellung im Erwerbsleben.

 

Gewalt

Gleichstellung ist nur in gewaltfreien Beziehungen denkbar. Gewalt ist in der Schweiz ein verbreitetes Problem. So wurden im Jahr 2017 17'024 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt polizeilich registriert. In den Jahren 2009 – 2016 kam es jährlich zu durchschnittlich 25 Todesopfern und zu 50 Opfern versuchter Tötungsdelikte im häuslichen Bereich. Die meisten Opfer von Tötungsdelikten sind Frauen, begangen werden die Taten überwiegend von Männern.

Anfang April 2018 trat das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) in der Schweiz in Kraft. Das EBG fungiert als nationale Koordinationsstelle für die Umsetzung dieser Konvention und erstattet dem Europarat hierzu regelmässig Bericht. Das EBG leitet die interdepartementale Arbeitsgruppe des Bundes und den Ausschuss von Bund und Kantonen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention.

Im 2019 wird zuhanden des Bundesrates eine Verordnung über Massnahmen zur Verhütung von Straftaten im Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt erarbeitet. Zudem werden 2019 eine Studie zu den statistischen Grundlagen der Schweiz zu Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt sowie zwei juristische Gutachten publiziert, die sich mit Fragen der rechtlichen Möglichkeiten bei Stalking und einem eidgenössischen Gewaltschutzgesetz befassen.

 

Weiterführende Informationen

Kontakt

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG

Schwarztorstrasse 51

3003 Bern

T +41 58 462 68 43

ebg@ebg.admin.ch

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