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MitteilungVeröffentlicht am 9. Juli 2026

Digitaler Wandel und Gleichstellung

Wie kann der digitale Wandel allen zugutekommen? Das zweite Forum der OECD zur Gleichstellung der Geschlechter, das am 8. und 9. Juli 2026 in Paris stattfindet, befasst sich mit der Frage, wie künstliche Intelligenz, Daten und digitale Technologien die Gleichstellung voranbringen können, ohne bestehende Diskriminierungen zu verstärken. Die Schweiz hat zum zweiten Mal den Co-Vorsitz des Forums inne.

Die Schweiz hat am Forum bekräftigt, dass die Gleichstellung der Geschlechter auch im Rahmen der Digitalisierung ein Grundwert und eine strategische Priorität der OECD bleiben muss. Sie sprach sich für die Beibehaltung der Arbeitsgruppe Gender Mainstreaming and Governance (GMG) aus sowie für die Stärkung intersektionaler und nach Geschlecht aufgeschlüsselter Daten und wandte sich gegen jeden Rückschritt in Bezug auf das Konzept und den Begriff der Geschlechtergleichstellung. Die Schweiz hob zudem die Verantwortung der Wirtschaft hervor: Angesichts der alternden Gesellschaft und des steigenden Arbeitskräftebedarfs sei die volle Ausschöpfung des Potenzials der Frauen eine wirtschaftliche Notwendigkeit und eine Frage der Gerechtigkeit.

Selbstständigkeit stärken, Diskriminierung vorbeugen

Ungleichheiten zeigen sich bereits beim Zugang zu Technologien und digitalen Kompetenzen. Weltweit nutzen Frauen das mobile Internet 15 Prozent seltener als Männer. In den OECD-Ländern streben lediglich 1,5 Prozent der 15-jährigen Mädchen eine Karriere im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien an, gegenüber fast 10 Prozent der Jungen. Auch im digitalen Unternehmertum sind sie nach wie vor unterrepräsentiert: In der Europäischen Union machen sie nur 18 Prozent der Selbstständigerwerbenden in diesem Sektor aus, gegenüber 34 Prozent in anderen Sektoren.

In Anbetracht dieser Unterschiede befasst sich die zweite Ausgabe des Forums mit der Frage, wie digitale Technologien, künstliche Intelligenz und Daten dazu beitragen können, die Selbstständigkeit von Frauen und Mädchen zu stärken, insbesondere durch die Erleichterung des Zugangs zu Dienstleistungen und zum Unternehmertum. Es befasst sich zudem mit den Voraussetzungen für ihre volle Teilhabe am digitalen Wandel, insbesondere mit dem Zugang zu Kompetenzen, Weiterbildungen, Führungspositionen und Finanzmitteln.

Das Gleichstellungsforum hebt auch die mit digitalen Technologien verbundenen Diskriminierungsrisiken hervor, gerade wenn Systeme der künstlichen Intelligenz auf verzerrten Daten basieren und Geschlechterstereotype reproduzieren. Es widmet sich auch ausführlich der Online-Sicherheit und der Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Netz. Weltweit gibt etwa jede zweite Frau an, bereits Opfer einer Form von geschlechtsspezifischer Gewalt geworden zu sein, die durch Technologie begünstigt wurde. Im Rahmen der Sitzung zum Thema Bekämpfung geschlechtsbezogener Gewalt im digitalen Zeitalter (Tackling gender-based violence in the digital age against women public figures world wide) stellte die vom EBG unterstützte Public Discourse Foundation ihre Arbeit zur Prävention und Begleitung von Frauen vor, die Opfer digitaler Gewalt geworden sind.

Arbeiten in der Schweiz

Im Rahmen des Aktionsplans der Gleichstellungsstrategie 2030 wurde eine von der Bundeskanzlei in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann in Auftrag gegebene Studie zur digitalen Transformation und zur Gleichstellung der Geschlechter in der Schweiz durchgeführt. Die Anfang Juli veröffentlichte Studie gibt einen ersten Überblick über die Situation in der Schweiz, identifiziert die wichtigsten Herausforderungen und zeigt Handlungsansätze auf. Die Schweiz hat sich zudem aktiv an den Arbeiten des Europarats zu den Themen künstliche Intelligenz, Gleichstellung und Nichtdiskriminierung beteiligt, insbesondere an der Ausarbeitung einer Empfehlung zu Gleichstellung und künstlicher Intelligenz. Diese Arbeiten unterstreichen die Bedeutung repräsentativer Daten, transparenter Systeme, Kontrollmechanismen und zugänglicher Rechtsmittel. Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen hat ihrerseits Empfehlungen zum Schutz vor algorithmischer Diskriminierung formuliert.

Plattform für Kooperation und Dialog

Im Anschluss an das Forum wird eine Zusammenfassung der Co-Vorsitzenden veröffentlicht, in der die gemeinsamen Verpflichtungen des Co-Vorsitzes und die für die nächsten zwei Jahre definierten Prioritäten dargestellt werden. Durch ihre Teilnahme am Forum kann die Schweiz einen Beitrag zum internationalen Dialog leisten und die auf nationaler Ebene unternommenen Anstrengungen für einen inklusiven digitalen Wandel unterstützen.